Adam Riese und die sieben Zwerge
Der Traum eines Cives vom Hain

Sie fragen sich, was der Rechenkünstler, der für die Grundrechenarten steht und die Wunderzwerge miteinander zu tun haben?

Ein Cives aus dem Hain saß sorgenvoll auf dem Wooghügel und schaute über das Wasser zu einem niedrigen langgestreckten Gebäude entlang der Uferstraße; dabei fiel er in Tiefschlaf und träumte:

Es war einmal eine kleine Stadt vor den Toren Frankfurts, die bis in die 1970er Jahre eine gerade aufblühende, fein sanierte Altstadt mit schönen Fachwerkhäusern, einer sehr alten Burg und vielen kleinen gepflasterten Gassen besaß sowie einer Vielzahl von kleinen aber auch ein paar großen Firmen mit braven – auch Steuerzahlenden – Bürgern, denen Steuerparadiese oder Shareholders Value unbekannt waren. Diese Bürger waren in den Nachbarsiedlungen ein klein wenig verdächtig, weil deren Haushaltslage ebenso wie die der Stadt überdurchschnittlich gut war, und sie sehr stolz auf ihre Heimat waren sowie mindestens zweimal im Jahr bei frischem Met seit vielen Jahrzehnten dort lustig gefeiert wurde. Auch wenn nicht alles Gold war, was so ähnlich schimmerte, die anderen sagten sich: wenn’s denen doch so gut geht, und es dort so schön ist, dann übernehmen wir die doch einfach. Gesagt getan. Die anderen vier, die schon dieses attraktive Plätzchen umzingelt hatten, machten aus der schon mehr als 700 Jahre alten kleinen Stadt mit sich zusammen eine große Stadt und fingen seither an, alles neu zu ordnen und umzubauen: Jeder dieser fünf Stadtteile hatte doch ein Rathaus und viele kleine und größeren Sachen, auf die jeder in diesen früheren selbständigen Ortsteilen stolz war. Um den jetzt ganz vielen Menschen unter einer Regierung nicht zu weh zu tun, hat man all diese Sachen und Häuser behalten, auch ein paar Beamte und ihre Gehilfen dort in den Ortsteilen gelassen, dass die Bürger sich nicht so alleine fühlen. In dem kleinen Ortsteil mit der Burg hat man sogar eine ganze Schule ausgebaut, weil es plötzlich so eng in dem früher für eine gesamte Stadtverwaltung ausreichenden Gebäude wurde, und die Verwaltung doch bei ihren Bürgern bleiben kann.

Alle waren glücklich – bis ganz langsam in der großen Zentralverwaltung in der Mitte der ganz modernen gebietsreformierten Stadt bemerkt wurde, dass alles nicht mehr zu finanzieren ist. Also holte man immer mehr Beamte und ihre treuen Helfer in die Zentrale, die auch bald zu klein wurde und baute sich ein neues, großes, modernes Haus. Da fühlten sich alle wohl und waren zufrieden, obwohl noch nicht alle zusammen saßen und zusammen dort arbeiten konnten; immer noch mussten ein paar Menschen auch in dem kleinen Ortsteil mit der Burg bleiben.

Man rechnete über viele Jahre – schon lange vor dem Umzug in das schöne neue Haus – wie das teurere Leben in der modernen Zeit finanziert werden kann, wie man die doch aus allen Ortsteilen recht anspruchsvollen Bürger zufrieden stellen kann. Keiner fand wirklich eine Lösung. Auch die klügsten Kämmerer und Ersten Bürger der Stadt konnten nur immer wieder resigniert feststellen: Alle wollen von uns was – Schwimmbäder, Hallenbäder, Sportplätze, Geld für Vereinsarbeit und die Sanierung von ganz schön alten Häusern und einer Burg. Wie sollen wir da noch Strassen unterhalten, neue Abwasser- und Wasserleitungen legen, Kindergärten bauen und unterhalten und vieles vieles mehr, damit unsere lieben Bürger zufrieden sind und bei uns bleiben. Wie sollen wir neue Gebiete erschließen und Firmen ansiedeln, die Arbeitsplätze schaffen und Steuern bringen; wie sollen wir Wirtschaftsförderung ohne Mittel betreiben, wenn alle Gelder schon für die vielen Aufgaben und auch unsere eigenen Leute, die so viele Arbeiten erledigen müssen, draufgehen? Wie sollen wir noch Kultur- und Sportförderung sowie Jugendarbeit und Altenpflege betreiben und die vielen sozialen Aufgaben erfüllen, wenn die Kassen leer sind?

Da kamen doch plötzlich und immer wieder die von den unnachgiebigen und fordernden Bürgern bedrängten Verantwortlichen auf die alte Idee: Wir verkaufen alles, was wir nicht unbedingt brauchen und darüber hinaus noch Geld kostet. Wir sind jetzt in einem schönen neuen angemieteten Haus, lasst uns doch die alten Rathäuser, Bürgerhäuser und Bürgersäle, Minigolfplätze sowie Schulen und Gebäude, die zwar wichtig sind für die Struktur und das öffentliche Leben, wichtig für alt und jung, einfach verkaufen. Das spült schnelles Geld in die leeren Kassen und vielleicht kommen dann, bevor alles wieder weg ist, die sieben Zwerge und haben neue Ideen und neue Tatkraft.

Entspannt wachte der Bürger aus dem Hain auf, bis er merkte: Es gibt doch keine Wunder. Was kann ich tun? Er stand auf und schrieb Folgendes auf ein Blatt Papier:
 

Wir fordern:

1. Keinen Ausverkauf von Gebäuden und Grundstücken aus dem Eigentum der Stadt.

2. Prüfung der Frage: Welche Bedeutung haben die im Eigentum der Stadt stehenden Gebäude und Einrichtungen in Bezug auf Historie, Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit und Nachhaltigkeit für die zukünftige Wirtschaftskraft?

3. Wo können Kosten gespart werden und wo sind Investitionen notwendig,
um zu höherer Ertragskraft und Zukunftsfähigkeit zu kommen?

4. Marketingstrategien auf Basis vorhandener Schwächen und Stärken zu entwickeln.

5. Bei unverzichtbarer Notwendigkeit eines Verkaufs, ist die Maßnahme in ein Gesamtkonzept ohne Kompromisse einzufügen, um die Besonderheiten des Objektes zu erhalten und die Chancen einer Veränderung zur Optimierung zu nutzen.

6. In Bezug auf den Burghof mit Bürgersaal, Hotel und Restaurant heißt dies: Keine neue Klagewelle durch fehlgeplantes Nutzungskonzept provozieren; Erhaltung aller drei Nutzungsarten, nämlich Bürgersaal, Hotel und Restaurant.

7. Statt Richtlinien auch mal einer Vision Raum geben.

8. Impulse von außen innerhalb der Entscheidungsträger nutzen, z.B. durch eine Kommission, bestehend aus fachkundigen und engagierten Bürgern, Vertretern der Stadt, der örtlichen Wirtschaft und ortsansässigen Unternehmen, um die derzeitigen Aufgaben von Wirtschaftsförderung und Kulturförderung zu optimieren, im Interesse einer Effizienzsteigerung.

9. Offene Kommunikation, frei von parteipolitischem Ballast im Interesse der Entwicklung der Stadtteile und der Stadt Dreieich.

Auch nur ein Traum?
 
Detlef Odenwald, im März 2008
IMPRESSUM | Arbeitsgemeinschaft der Vereine von Dreieichenhain e.V. | www.haaner.info